AMD Carrizo: Athlon X4 845 mit Excavator-Kernen im Desktop-Bereich

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Technik


Technische Betrachtung



Bild: AMD Carrizo: Athlon X4 845 mit Excavator-Kernen im Desktop-Bereich
Bislang gab es Carrizo-Modelle ausschließlich im Mobile-/Embedded-Bereich und dort schlicht auch nur fest mit den Hauptplatinen verlötet. Die Vorstellung erfolgte erstmals im Juni 2016, doch AMD sah keinen Handlungszwang, Carrizo auch in das Desktop-Segment zu entlassen. 2016 gibt der Hersteller nun aber im Hinblick auf die kommende Zen-Architektur Gas und entschied sich dann doch, einen einzelnen Ableger in Form des Athlon X4 845 in das Desktop-Segment zu entlassen. Gleichzeitig gab man damit einen Hinweis auf die Möglichkeiten, welche wiederum die neuen Bristol-Ridge-Plattformen und deren APUs mit sich bringen, da man hier ebenfalls auf die Excavator-Architektur setzt.

Um diesen Vorgeschmack zu liefern, musste AMD den "Desktop-Carrizo" erst einmal FM2+-tauglich machen. Sicherlich hätte man das auch mit integrierter Grafiklösung geschafft, doch das stand nicht auf dem Fahrplan. Bei Bristol Ridge gibt es dann natürlich auch die Verbesserungen der Carrizo-Modelle, allerdings aktuell eben nur in Komplettsystemen der OEM-Hersteller. Ob AMD die CPUs und APUs auch noch in den Retail-Markt entlässt, bleibt erst einmal noch dahingestellt, denn die Weichen stehen alle auf Zen.

Die Zen-Architektur, welche in kleinerer Fertigung antreten wird, wird nach derzeitigen Gerüchten im ersten Quartal 2017 erwartet.

Modell/Eigenschaften AMD Athon X4 845 AMD Athlon X4 880K AMD Athlon X4 860K AMD A10-7860K AMD A10-7850K
Fertigung 28 nm 28 nm 28 nm 28 nm 28 nm
Codename Carrizo Kaveri (Godavari) Kaveri Kaveri (Godavari) Kaveri
Architektur Excavator Steamroller Steamroller Steamroller Steamroller
Multi-Core 2 Module – 4 Threads 2 Module – 4 Threads 2 Module – 4 Threads 2 Module – 4 Threads 2 Module – 4 Threads
Sockel FM2+ FM2+ FM2+ FM2+ FM2+
Basistakt 3,5 GHz 4,0 GHz 3,7 GHz 3,6 GHz 3,7 GHz
Turbotakt 3,8 GHz 4,2 GHz 4,0 GHz 4,0 GHz 4,0 GHz
L2-Cache 2 x 1 MByte 2 x 2 MByte 2 x 2 MByte 2 x 2 MByte 2 x 2 MByte
L3-Cache - - - - -
TDP 65 Watt 95 Watt 95 Watt 65 Watt 95 Watt
Speicher-Support DDR3-2133 DDR3-2133 DDR3-2133 DDR3-2133 DDR3-2133
Integrierte GPU - - - Radeon R7 Radeon R7
Shader-Einheiten - - - 512 512
Takt - - - 757 MHz 720 MHz


Bild: AMD Carrizo: Athlon X4 845 mit Excavator-Kernen im Desktop-Bereich
Der nüchterne Blick auf unsere Tabelle lässt erst einmal die Nase rümpfen, denn was unmittelbar auffällt, sind der geschrumpfte L2-Cache von 2 auf 1 Megabyte und der etwas geringere Takt zum bisherigen Topmodell X4-880K. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn laut Hersteller wurde bei der Excavator-Architektur besipielsweise der L1-Cache deutlich verbessert.

Dieser ist nun von 16 KByte auf 32 KByte angewachsen, und auch das Cache-Verhalten bei der "Branch Prediction" wurde von 512 auf 768 Einträge gesteigert, was große Vorteile bei der Sprungvorhersage mit sich bringen soll. Daraus sollen schnellere CPU-Aktionen (Reaktionen) gegenüber der Steamroller-Architektur erfolgen, so dass die angeforderten Daten schneller gefunden, vorgehalten und zur Verfügung gestellt werden. Dazu tragen auch Verbesserungen bei den Pipelines der Gleitkomma-Einheit bei, denn deren Dateninhalte können schneller geleert und neu befüllt werden. Durch die Architekturverbesserungen sollen sich 4 bis 15 Prozent höhere Instructions per Clock erreichen lassen, bei gleichzeitig verbesserten Power-Stufen und damit einhergehendem geringeren Energieverbrauch.

Bild: AMD Carrizo: Athlon X4 845 mit Excavator-Kernen im Desktop-Bereich
Darüber hinaus hat die neue Architektur natürlich auch neue Befehlssätze an Bord, darunter AVX2, MOVBE, SMEP und BM1/2. Wann diese der 60-Euro-CPU nun wirklich zugutekommen werden und ob Interessenten in diesem Bereich ein kritisches Auge auf das Vorhandensein der Befehlssätze werfen, bleibt dahingestellt. Klar wichtiger ist natürlich der Umstand, dass es AMD gelungen ist, die CPU-Performance zu steigern, bei gleichzeitig klar gesunkener Leistungsaufnahme, denn diese liegt derzeit nur noch bei einer TDP von 65 Watt. Zum Vergleich: Das bisherige Athlon-X4-Topmodell mit Namen X4-880K dümpelt weiterhin in der 95-Watt-TDP-Klasse.

Eine Änderung gibt es bei der Anbindung von externen Grafikkarten. Hier bietet der Athlon X4 845 nur acht interne PCI-Express-Leitungen, wodurch High-End-Grafikkarten etwas langsamer arbeiten dürften. Doch für diesen Einsatzzweck wurde die 60-Euro-CPU auch nicht gebaut.

Wann und wo genau sich bei welchen Applikationen die Excavator-Verbesserungen bemerkbar machen werden, bleibt erst einmal abzuwarten. De facto aber spricht einiges dafür, dass sich die Verbesserungen positiv auswirken werden, ganz wie AMD es verspricht.