AMD Radeon RX 480 - hart auf Kante gebaut

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Fazit (Update)



In der Tat hatte die heutige Grafikkarten-Neuvorstellung nicht wenige Überraschungen parat. Im Hinblick auf die Performance hielt AMD überwiegend Wort. Die Radeon RX 480 ist eine schnelle Spielerkarte, welche unter Full-HD-Auflösung mehr oder minder alle Anforderungen bewältigen kann und selbst für die WHQD-Auflösung von 2.550 x 1.440 Bildpunkten mit ein paar Abstrichen bei der Bildqualität ebenfalls geeignet ist. Das Besondere hierbei ist der Umstand, dass AMD mit lediglich 199 US-Dollar Verkaufspreis an den Start geht und die klar gesteigerte Leistung sich nicht versilbern lässt. Damit erhält der potenzielle Kunde zuerst einmal ein attraktives Angebot, was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht. Möchte man 8 GByte Hauptspeicher bei der RX 480 sein Eigen nennen, wird es etwas teurer. Rund 256 Euro ist der ausgerufene Preis.

Bild: AMD Radeon RX 480 – hart auf Kante gebaut

AMD erkauft sich diese Leistung aber durchaus zu einem "hohen" Preis. Durch Lockerungen beim PowerTune-Limit erreicht die Grafikkarte dieses Leistungsniveau, setzt sich dann aber von der vom Hersteller genannten 150 Watt typische Leistungsaufnahme unter Spielen doch ab und liegt gemittelt eher im Bereich von 160 bis 165 Watt. Verglichen zu AMDs bisherigen Grafikkarten dieser Leistungsklasse ist dies natürlich immer noch verdammt effizient. Die Radeon R9 390 schlägt man in der Performance, liegt aber klar unterhalb deren Leistungsaufnahme von 275 Watt, welche in Spitzen gar bis 300 Watt reichen kann. Tolle Leistung? Ja, wenn da mal nicht der Mitbewerber wäre.

Denn mit dieser gebotenen Leistungsaufnahme zeigt AMD die RX 480 auf dem Niveau der GeForce GTX 980, welche allerdings noch in 28-nm-Technik gefertigt ist und deren Performance man dann nur selten erreicht oder übertrumpft. In den anderen Segmenten der Leistungsaufnahme bekleckerte man sich heute ebenfalls nicht unbedingt mit Ruhm.

Es bleibt also abermals nur der Preis als schlagkräftiges Argument. Denn gegenüber den NIVIDA-Modellen zeigt man sich hier weiterhin attraktiver. Eine Kaufempfehlung für das Referenzdesign können wir zum aktuellen Zeitpunkt dennoch nicht aussprechen. Zwar sehen wir auch bei der Geräuschkulisse immer noch vernünftige bis sehr gute Werte (Idle-Betrieb), aber die angetroffenen, teils massiven Verletzungen der PCI-Express-Spezifikation lassen uns die Stirn runzeln. Bis hier nicht Klarheit herrscht, welche Folgen aus dem Umstand resultieren könnten, müssen wir die Euphorie um Preis/Leistung leider bremsen.

Bild: AMD Radeon RX 480 – hart auf Kante gebaut
Bild: AMD Radeon RX 480 – hart auf Kante gebaut
sehr gute Performance in FullHD-Auflösung schlechte Leistungsaufnahme Blu-ray-Wiedergabe
gute Performance in WQHD-Auflösung durchschnittliche Leistungsaufnahme verglichen zum Mitbewerb
verbesserte Leistungsaufnahme durch 14-nm-Technik Verletzung der PCI-Express-Spezifikation
sehr leiser Lüfter im Idle-Betrieb
gutes Preis- / Leistungsverhältnis


Update 8. Juli 2016:
Mit dem heutigen Treiberupdate haben sich manche Punkte ein wenig verlagert. Die Verletzung der PCI-Express-Spezifikation bleibt bestehen, wurde durch AMD aber deutlich abgeschwächt. Die Performance konnte im Mittel leicht wachsen, was aus unserer Sicht klar auf die Beseitigung des Bandbreitenproblems am PCI-Express-Bus zurückgeführt werden muss.

Der von Hause aus nicht aktivierte Kompatibilitätsmodus bringt die Radeon RX 480 nun erstmals in die Richtung einer 150-Watt-Grafikkarte, da AMD aber darauf verzichtet und lieber die zwei Prozentpunkte in der Performance mit sich nimmt, bleibt es letztlich bei einer 162-Watt-Grafikkarte. Diese gewinnt dann in diesem Bereich auch wenige Prozentpunkte hinzu und nähert sich ein wenig mehr der Radeon R9 390X. Statt fünf Prozent, trennt man sich nun nur noch mit drei Prozent.

Die Fehler in der Leistungsaufnahme im Idle-Modus hat man noch immer nicht beseitigt, wie auf Nachfragen heute offiziell bestätigt wurde. Das erschließt sich uns leider ebenfalls nicht. Dass ein erkannter Fehler nicht in einem großen Treiber-Update nach dieser Schelte beseitigt wird, ist schlicht fragwürdig, eben weil er sich möglicherweise dann auch auf die anderen Power-Stufen wie Blu-ray-Wiedergabe und Multi-Monitor-Betrieb auswirkt. Es war offenbar nicht wichtig genug.

[ls & pg], 29. Juni 2016



 

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