G.Skill Ripjaws KM780 RGB - Gaming-Tastatur im Test

Peripherie | HT4U.net | Seite 5

Technik: Ghosting und N-Key-Rollover



Hier ein kurzer Einschub in zwei wichtige Begriffe, die es zu klären gilt, bevor wir mit unserem Test fortfahren, denn beispielsweise der Hersteller Aorus wirbt damit, vollständiges Anti-Ghosting zu unterstützen.

Oha – ein Geist in der Tastatur?

Ein grundlegendes Problem bei der Einführung von Tastaturen mit USB-Anschluss ist das Phänomen, das sich Ghosting nennt. Unter diesem Begriff versteht man allgemein, dass nach einer bestimmten Kombination aus gedrückten Tasten eine Taste auf dem Bildschirm als gedrückt angezeigt wird, welche nicht gedrückt wurde, oder aber dass eine gedrückte Taste auf dem Bildschirm nicht erkannt wird. Diese Taste nennt man dann einen Geist – auf Englisch eben "Ghost".

Ein beliebtes Beispiel dafür ist Folgendes: Ihr spielt etwa einen Shooter und drückt nun im Eifer des Gefechts die Tasten W, D und S. Nun versucht ihr, eine Aktion mittels der E-Taste auszuführen, doch diese reagiert nicht.

Die Ursache

Dies liegt meist an der Bauart der Tastatur. Jede Taste auf der USB-Tastatur ist Gitternetz-artig und in Blöcken mit dem Micro-Controller der Tastatur verbunden. Um zuordnen zu können, woher genau das Signal kommt, wird das Gitternetz in Spalten und Reihen unterteilt. Beim Drücken eines Knopfes bekommt der Chip in der Tastatur zwei Signale: eines aus einer Spalte und eines aus einer Reihe dieses Gitternetzes. Man kann sich dies leicht mit dem Prinzip des Spieles "Schiffe versenken" klarmachen – Schuss auf D8. Wenn aber alles so exakt wie bei "Schiffe versenken" wäre, gäbe es das Ghosting-Problem eben nicht. So sind hauptsächlich günstige Konstellationen verantwortlich für die Problematik.

Bild: Aorus Thunder K7 – mechanisches Gamer-Keyboard samt Macro-Keypad im Test
Raster-Aufteilung Leiterbahnen, typische Tastatur

Wir gehen von dem aufgezeichneten Raster und den Blöcken aus. Wird eine Taste gedrückt, erfolgt ein Kurzschluss und damit ein Signal auf den Leiterbahnen, welches der Tastatur-Controller eindeutig identifizieren kann. Aber auch andere Kombinationen kann der Controller-Chip ebenfalls noch klar identifizieren.

Bild: Aorus Thunder K7 – mechanisches Gamer-Keyboard samt Macro-Keypad im Test
1/6
Bild: Aorus Thunder K7 – mechanisches Gamer-Keyboard samt Macro-Keypad im Test
2/6
Bild: Aorus Thunder K7 – mechanisches Gamer-Keyboard samt Macro-Keypad im Test
3/6


Die dargestellten Tastenkombinationen stellen für den einfachen Controller damit noch kein echtes Problem dar. Sie lassen sich durch die klar definierten Reihen und Spalten identifizieren und darstellen. Problematisch wird es dann allerdings, wenn man in einen zusammenhängenden Viererblock wechselt.

Bild: Aorus Thunder K7 – mechanisches Gamer-Keyboard samt Macro-Keypad im Test
Bild: Aorus Thunder K7 – mechanisches Gamer-Keyboard samt Macro-Keypad im Test
Bild: Aorus Thunder K7 – mechanisches Gamer-Keyboard samt Macro-Keypad im Test
Bild: Aorus Thunder K7 – mechanisches Gamer-Keyboard samt Macro-Keypad im Test
Bild: Aorus Thunder K7 – mechanisches Gamer-Keyboard samt Macro-Keypad im Test


Dadurch, dass Spalte und Zeile von unterschiedlichen Signalen in einem Block gleich dreimal belegt werden, werden normale Tastatur-Controller nun hilflos, weil sie die eindeutige Zuordnung nicht mehr durchführen können. Separate Leiterbahnen und Dioden könnten hier Abhilfe schaffen, doch wir sprechen eben von zusätzlichen Investitionen, welche auf dem Massenmarkt nicht üblich sind und auch künftig nicht anzutreffen sein werden – oder eben nur gegen Aufpreis!

Ein Büro-Anwender wird eher selten in diese Problemlage kommen, und von daher ist der Massenmarkt bei der Problembeschreibung außen vor. Ein Spieler kann aber sehr wohl in diese Konstellationen geraten, weshalb eben Gaming-Tastaturen an diesem Punkt Abhilfe schaffen wollen und auch müssen.

Präventivmittel: N-Key-Rollover

N-Key-Rollover – in der Abkürzung häufig als NKRO anzutreffen – bedeutet, dass jede Taste und Tastenkombination auf einer Tastatur gedrückt werden kann und richtig erkannt wird. Dieses Feature wird oft auch schlicht als "Anti-Ghosting" beworben. Häufig jedoch wird bei dieser Technik nur eine bestimmte Anzahl an Tasten gegen das Problem abgesichert. Typisch sind drei Tasten ("3-Key-Rollover") oder sechs Tasten ("6-Key-Rollover"). Letzteres ist leider auch dadurch bedingt, dass ein USB-Tastatur-Controller nur maximal sechs Tasten gleichzeitig erfassen kann.

Aus diesem Blickpunkt würde streng genommen nur der Weg bleiben, dass man mehrere Tastatur-Controller gleichzeitig in den Einsatz schickt. Oder vielleicht eben auch nicht! Der angesprochene Weg wäre denkbar, aber eben teuer, weshalb die Hersteller teils auch andere Wege einschlagen.

Praxis: N-Key-Rollover RipJaws KM780 RGB



Bild: G.Skill Ripjaws KM780 RGB – Gaming-Tastatur im Test
Wie die meisten Gaming-Keyboards verspricht auch die RipJaws KM780 vollständiges Anti-Ghosting beziehungsweise N-Key-Rollover. Auf der Rückseite des Keyboards findet sich ein Schalter, welcher die Option G (Gaming) oder S (Six) bietet. Die Werkseinstellung ist G, was für ein vollständiges N-Key-Rollover steht, Six steht dann lediglich für ein 6-Key-Rollover. Warum G.Skill diesen Schalter angebracht hat, erschließt sich uns aktuell nicht.

Meistens halten die Hersteller, was sie in diesem Bereich versprechen. Eben jener Punkt ist einer, der sich genau prüfen lässt, sodass man feststellen kann, ob die Angaben der Hersteller nur leere Versprechungen sind oder nicht. Eben das gehört mitunter auch zu unseren Testaufgaben.

Bild: G.Skill Ripjaws KM780 RGB – Gaming-Tastatur im Test
Die Prüfung und Verifizierung erfolgt mittels des Utilitys AquaKey. Das Tool erlaubt uns, auf einer simulierten Tastatur alle gedrückten Tasten anzuzeigen. Dabei stellten wir bei mehreren Simulationen keine Probleme fest und können festhalten, dass G.Skill an diesem Punkt (wie viele andere Hersteller) Wort hält.

Letztlich bleibt es dabei, dass auch G.Skill sich einer Software-Lösung beim N-Key-Rollover bedient, und die Reaktionen sind wie zu erwarten ohne Fehler. In Hardware löst das aktuell nur Cherry mit seinem MX-Board 6.0 (Test).

Interessant: Per Software lässt sich zusätlich die Option N-Key-Rollover auf 6-Key-Rollover ändern, wodurch der erwähnte Schalter nicht zwingend notwendig gewesen wäre. Andere Hersteller bieten die Option, in Hardware umzuschalten, nicht, sondern lediglich über Software.