30 Intel-Prozessoren von Sandy Bridge bis Kaby Lake im Test

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Fazit



Angekommen im Jahr 2017 mit einem überarbeiteten Benchmark-Parcours, zeigen sich teils interessante Beobachtungen. Zwar sind noch immer sehr viele Anwendungen im regulären Desktop-Bereich weniger gut auf Multi-Core-Prozessoren ausgelegt und profitieren teils nur von zwei CPU-Kernen, andere Applikationen haben sich aber sehr wohl im Software-Verhalten gewandelt. Und hier sprechen wir allen voran die neuen Spiele an, die nun plötzlich durchaus von acht CPU-Kernen profitieren können. Darüber hinaus wird es meist mau und der Profit will sich nicht so recht einstellen.

Der Umstand scheint schlicht der grundlegenden Hardware der neuen Konsolen von Microsoft und Sony geschuldet zu sein und hat sich damit über die letzten Jahre durchgesetzt. Die Portierung der Spiele von den Konsolen auf den PC sorgt dabei für eine entsprechende Äquivalenz der Anforderung an CPU-Kerne.

Die Zweikern-Prozessoren, trotz Hyper-Threading, spielen im letzten Drittel unseres Vergleichs, und nur der hoch taktende Core i3-7350K aus der jüngsten Kaby-Lake-Reihe schafft es, das Niveau eines Core i7-2600K zu erreichen. Im Generationenvergleich von Sandy Bridge bis Haswell zeigte sich meist eine Leistungssteigerung von 10 bis 12 Prozent, geschuldet den Verbesserungen beim Prozessor und dem höheren Takt. Einen harten Bruch gab es erstmals bei der Vorstellung von Broadwell, der ersten 14-nm-Generation, welche gegenüber dem Haswell-Vorgänger gerade einmal drei Prozent Vorteil über alle Benchmarks für sich einfahren konnte. Erst mit Skylake und dessen klarer Taktsteigerung gelang es dann wieder, die erwarteten zirka 12 Prozent Mehrleistung unter Beweis zu stellen. Kaby Lake als dritte Generation im 14-nm-Fertigungsverfahren enttäuscht hingegen etwas mit lediglich 6 Prozent Vorsprung, und das vorrangig eben durch höheren Takt.

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Doch noch ein Wort zum durchwachsenen Gesamt-Resultat von Broadwell. Wirft man einen Blick auf den Gesamt-Index bei Spielen, so sieht man schnell, dass dort klar mehr dahintersteckt. Dort liegt der i7-4770K trotz 3,9 GHz Takt im Turbo runde 17 Prozent hinter einem Core i7-5775C zurück, der mit lediglich 3,7 GHz im Turbo arbeitet. Die Zauberlösung hierfür nennt sich Level-4-Cache oder aber eDRAM der Iris-Grafik, welchen die CPU und Applikationen als L4-Cache nutzen können. Überhaupt ist die Iris-Grafikeinheit in Broadwell auch der einzige Lichtblick, geht es um Intels integrierte Grafiklösungen. Die restlichen Lösungen sind für aktuelle Spiele als eher unbrauchbar zu bezeichnen und taugen allenfalls für Social-Media-Games. Aber die Iris-Einheit ist eben auch viel zu teuer, weshalb Intel an diesem Punkt zwischenzeitlich wohl zurückruderte. Weder Skylake noch Kaby Lake bekamen eine solche Lösung spendiert, und damit fällt auch der schnelle Level-4-Cache weg.

Noch ein Wort zur Leistungsaufnahme der Intel-Prozessoren. Bei den Topmodellen wird diese sehr leicht überschritten. In unserem Vergleich soll ein Core i7-7700K eine TDP von 91 Watt besitzen, im Test erblickten wir 104 Watt. Bei kleineren Modellen hingegen passt die Leistungsaufnahme hingegen meist. Während Intel uns zu diesem Umstand bis heute kein Statement lieferte, meinte ein Mainboard-Hersteller, es könne an einem agressiveren Turboverhalten der Top-Mainboards liegen.

Im Ergebnis gelingt es heute der teuersten Desktop-CPU, sich an die Spitze über alle Benchmarks zu setzen. Ob das letzten Endes 1.700 Euro nur für den Prozessor wert ist, ist eine ganz andere Frage. Wir sehen hier ein klares Nein als Antwort gegeben. Das sieht nach jüngsten Aussagen auch AMD so und verspricht, den schnellsten Achtkern-Prozessor, inklusive SMT-Support, in Kürze in den Markt zu entlassen. Der Preispunkt liegt bei ausgerufenen 499 US-Dollar für AMDs Ryzen 7 1800X. Intels vergangenen sechs goldenen Jahre und die daraus gefolgte Preispolitik könnten sich möglicherweise dem Ende nähern.

[pg], 26. Februar 2017