AMD Ryzen 5 - R5 1600X und R5 1500X im Test

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Neue Kühler als Argument: Wraith stellt sich erneut



Wie sich heute zeigt, hat AMD schon im letzten Jahr die Weichen für Zen gestellt. So hatte man den Wraith-Cooler für die FX-Prozessoren präsentiert, welcher praktisch als Boxed-Modell verstanden werden und mit hochwertigeren Bestandteilen für eine bessere Kühlleistung sowie Geräuschkulisse sorgen sollte.

Bild: AMD Ryzen 5 – R5 1600X und R5 1500X im Test
Mit diesem Konzept setzt man sich von Intel ab, welcher zwar ebenfalls einen Kühler bei seinen Prozessoren mitliefert, dort aber deutlicher auf das Preisgefüge achtet und weniger hohe Qualität liefert. Das Konzept behält AMD aktuell bei und hat für die Ryzen-95-Watt- und Ryzen-65-Watt-Modelle zwei neue Boxed-Modelle im Angebot. Beide sind optisch nicht unattraktiv, verfügen über eine LED-Beleuchtung und bringen klar mehr Aluminium und Kupfer auf die Waage, als man dies von Intels Boxed-Modellen her kennt.

Beide unterscheiden sich allerdings grundsätzlich vom Aufbau und von den Größen her. Das 95-Watt-Modell, welches für eine Kühlleistung von bis zu 140 Watt ausgelegt ist, arbeitet als typischer Downblower mit oben aufgesetztem Lüfter. Das gilt auch für das kleinere Modell, wobei hier die Kupferfläche der Kühlplatte kleiner gehalten wurde und die Alu-Finnen abgerundet ausgeführt sind, um eine bessere Luftverteilung über den Bauteilen der Spannungsversorgung zu erreichen. Das große Modell wird mittels bekannter Klammerbefestigung installiert, das kleinere Modell überraschenderweise mittels Schraubbefestigung an der Backplate des Mainboards.

Bild: AMD Ryzen 5 – R5 1600X und R5 1500X im Test
Einen Sinn in dieser Vorgehensweise haben wir erst einmal nicht erkannt, vielmehr unterstellen wir, dass AMD das altbewährte Kühlkonzept des bisherigen Wraith-Coolers für die Topmodelle weiterverwendet und lediglich für die kleineren Modelle einen neuen Kühler entwickeln ließ. Die Klammerbefestigung zeigte sich unterdessen etwas kniffliger als die Schraubbefestigung, wobei die Montage jedoch besser bei ausgebautem Mainboard erfolgen sollte, falls das vorhandene Gehäuse nicht über eine ausreichend große Monatage-Öffnung verfügt.

Bild: AMD Ryzen 5 – R5 1600X und R5 1500X im Test
Die Befestigungsprobleme, welche wir als kniffelig bezeichneten, sind darauf zurückzuführen, dass teils etwas wenig Spielraum zwischen Kühler und Klammer vorhanden ist, die Klammer aber in jedem Fall einen Daumendruckpunkt benötigt, um über die Sockelnase geführt zu werden. Das Problem ist zu lösen, doch die Schraubbefestigung des kleineren Modells erscheint in jedem Fall angenehmer. Noch einfacher geht es natürlich bei Intels Boxed-Modellen über deren Push-Pin-Montage, doch hier bleibt abermals der Hinweis auf die fehlende Kühlleistung, welche dort über den Lüfter des Kühlers reguliert werden muss.

Unser Bild zeigt zudem klar die angesprochenen Einsparungen bei Intels Kühler: Viel weniger Masse und kein Kupfer, sondern nur Aluminium im Vergleich zu AMDs kleinstem neuen Modell.

Also nur Vorteile für AMD? Zum Teil. Im Gesamtpaket ist AMD klar besser, allerdings sind die neuen Lüfterregelkurven nicht gut gelöst, was teils mit den künstlich gesetzten Temperaturen (Temp-Offset) von R7-1800X, -1700X und R5-1600X einhergeht, denn intern richten sich der Kühler und die Lüftersteuerung am höheren Temperaturwert aus. Die optisch neue Umsetzung in Tools dient nur zur "Beruhigung" des Anwenders beim Blick auf die Tools. In der Praxis hat dies aber zur Folge, dass der Lüfter auf diesen Prozessoren aktuell nicht selten die Drehzahl häufig wechselt und sich permanent ein anderes Geräuschverhalten einstellt, wenn dann eben Last anliegt. Alleine dadurch macht sich der Lüfter deutlicher bemerkbar, als wenn er konstant auf einer Drehzahl arbeiten würde.

Bild: AMD Ryzen 5 – R5 1600X und R5 1500X im Test
Messung Wraith-Max
Das Problem muss AMD also noch in den Griff bekommen – eine neue Baustelle, welche man sich aktuell aufgetan hat und mit an die Mainboard-Hersteller übergibt. Denn leise – oder sagen wir gut – ist das im Gesamtpaket dann nur auf den CPUs, welche ohne dieses Offset daherkommen. Auf den genannten Modellen mit dem 20-°C-Zuschlag hat man die vielen nervigen Drehzahlwechsel und dazu nicht selten die maximale Drehzahl des Lüfters zu ertragen. Im Idle-Betrieb arbeitet der große Wraith mit zirka 20 dB(A), unter Last aber mit klar über 35 dB(A), was wir definitiv als nicht leise empfinden, sondern eher als laut, wenngleich die Geräuschkulisse gegenüber Intel durchaus besser erscheint.

Bild: AMD Ryzen 5 – R5 1600X und R5 1500X im Test

Das Paket passt also aktuell irgendwie, könnte aber eben besser sein, denn auf einem 65-Watt-Ryzen erfahren wir diese Lastwechsel trotz der neuen Lüfterregelkurven eben nicht. Das Spiel mit der künstlichen Temperatur erschwert dies bei den großen Modellen. Der kleine Ryzen-Kühler zeigt sich dabei auf den kleinen Prozessoren eher unscheinbarer als das größere Modell, wenngleich er weniger Kühlleistung besitzt. Einen gesamten Kühlertest wollen wir hier und heute aber nicht präsentieren. Die erwähnten wahrnehmbaren Lastwechsel des Lüfters blieben mit dem leistungsstärkeren Noctua-Modell, welcher unseren Referenzkühler für Prozessoren darstellt, aus. Es dürfte der deutlich höheren Kühlleistung und dem leisen Lüfter geschuldet sein, dass die Regelkurve sich hier nicht unangenehm bemerkbar macht. Dafür ist der Noctua NHU12S natürlich kein Schnäppchen, das Wraith-Modell hingegen kostenlos.