AMDs Comeback - Ryzen 7 1800X im Test

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Die neue AM4-Plattform


Bedingt durch die tiefgreifenden Änderungen benötigen die Zen-Prozessoren eine neue Plattform. Daher legt AMD neben einem neuen Sockel auch gleich eine ganze Familie neuer Chipsätze auf. Was es dabei Neues gibt und worin die Unterschiede liegen, klärt diese Seite.

Bild: AMDs Comeback – Ryzen 7 1800X im Test
Zunächst muss dabei festgehalten werden, dass die Ryzen-Prozessoren selbst bereits eher eine System-on-Chip-Plattform (SoC) darstellen. Neben den klassischen CPU-Kernen und dem mittlerweile verbreiteten Speicher-Interface beherbergen die Ryzen-Ableger auch noch 16 PCIe-3.0-Leitungen zur Anbindung einer Grafikkarte sowie vier weitere PCIe-3.0-Anbindungen für Festplatten, NVMe oder andere externe Geräte. Außerdem gibt es noch vier USB-3.0-Schnittstellen, und auch HD-Audio kann direkt angebunden werden.

Wem dies nicht reicht, der kann auf einen von drei Chipsätzen zurückgreifen, die alle über ein 4x-PCIe-3.0-Interface an den AM4-Sockel mit 1.331 Pins angebunden sind. Als Chipsätze stehen dabei der X370, der B350 und der A320 zur Verfügung. Die Unterschiede können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.

Ryzen (nativ) X370 B350 A320
PCIe 3.0 24 (4 für Chipsatz) 4 4 4
PCIe 2.0 0 8 6 4
USB 3.1 (Gen2) 0 2 2 1
USB 3.0 4 6 2 2
USB 2.0 0 6 6 6
SATA Express - 2 2 2
SATA III 2* 4 2 2
RAID - 0/1/10 0/1/10 0/1/10
Übertakten - ja ja nein
CrossFire / SLI - ja nein nein
Hersteller Globalfoundries 14 nm TSMC 55 nm TSMC 55 nm TSMC 55 nm
*Bei Verwendung fallen zwei PCIe-Leitungen weg.


Anzumerken ist, dass AMDs Überblick zu den Chipsätzen in der Tabelle etwas kompliziert ist und sich teils auch nur aus den Fussnoten erschließt. Den passenden Hinweis haben wir von unserem Leser unl34shed erhalten und er bezieht sich auf die vorhandenen PCI-Express-Leitungen des Standards 3.0 in den Chipsätzen. Dazu schreibt AMD zwar nichts in seiner Tabelle, weisst aber in seinen Fussnoten darauf hin, dass jeder SATA-Express-Port als jeweils zwei SATA 3.0-Ports oder alternativ 2 PCI-Express-3.0-Leitungen genutzt werden kann. Da zwei dieser SATA-Express-Ports zur Verfügung stehen, beherbergen die drei vorgestellten Chipsätze also zusätzlich 4 PCI-Express-3.0-Leitungen und es bleibt den Herstellern überlassen, in welcher Form diese umgesetzt werden. In den meisten Fällen trifft man wohl die Umsetzung als SATA-3.0-Anschluss vor, um eine Vielfalt an USB-3.0-Anschlüssen zu bieten. MSI scheint hier einen anderen Weg zu gehen und nutzt die Chipsatz-Leitungen für andere Anschlüsse. Wie unl34shed festgestellt hat, ist auf dem MSI X370 Carbon-Mainboard der ASMedia-USB-3.1-Controller mit zwei der PCIe-3.0-Leitungen angebunden worden. Daher haben wir diesen Absatz als Nachtrag am 30.03.2017 dem Artikel hinzugefügt und die Tabelle überarbeitet.

Bild: AMDs Comeback – Ryzen 7 1800X im Test
Anzumerken ist, dass AMD für uneingeschränktes Übertakten und Dual-Grafik-Genuss den X370-Chipsatz empfiehlt und der A320 ein Übertakten grundsätzlich nicht unterstützt. Man schlägt hier also einen ähnlichen Weg ein, wie Intel ihn seit der Einführung der Sandy-Bridge-Generation verfolgt. Getreu dem Motto: "You get what you pay for!"

Interessant ist noch, dass AMD die Chipsätze bei TSMC im alten 55-nm-Prozess fertigen lässt. Da dieser sehr ausgereift ist, sind die Kosten entsprechend gering. Außerdem hat man sich wohl kräftig bei ASMedia bedient, also IP z. B. für die USB-Controller hinzugekauft. Zumindest gemäß AMDs eigenen Aussagen hat man damit durchaus Erfolg, denn neben geringen Entwicklungs- und Fertigungskosten konnte auch der Energiebedarf gegenüber den Vorgängern deutlich reduziert werden.