AMDs Comeback - Ryzen 7 1800X im Test

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Fazit



Blickt man nach all den Informationen im heutigen Test auf das finale Resultat, so ist die Leistung von AMDs Ryzen 7 1800X durchaus beeindruckend. Im unmittelbaren Vergleich zum Vorgänger FX-8350 bei etwa gleichen Taktraten schlägt Ryzen diesen um über 60 Prozent im Mittel über unseren Benchmark-Parcours. Doch wir schreiben das Jahr 2017, und so muss sich AMD anderen Kontrahenten stellen, denn Intel hat über die letzten Jahre nicht geschlafen. Hier hat sich AMD den sündhaft teuren Core i7-6900K als unmittelbaren Gegner herausgepickt. Der Vergleich scheint in Anwendungen auch perfekt zu passen und man liegt absolut auf Augenhöhe zu dessen Rechenleistung. Aber das Vierkern-Lager von Intel – hier in Form des Kaby-Lake-Modells Core i7-7700K – ist nicht weit entfernt, schlicht dem Umstand geschuldet, dass es eben auch sehr viele Applikationen gibt, welche bis heute nicht von vier oder mehr CPU-Kernen profitieren. Das schmälert den Ryzen-Erfolg natürlich.

Bei Spielen sieht man ein Auf und Ab – das wurde bereits hinreichend diskutiert. In wenigen Spielen zieht man gleich zum Core i7-6900K, in den meisten zeigt man sich abgeschlagen, was durchaus einen Unterschied von 30 Prozent bedeuten kann. AMD hat erst kürzlich erklärt, dass dies auf fehlende Software-Optimierung zurückzuführen sei, da Ryzen eben ein sehr junges Produkt sei. Und in der Tat gibt es einige Anzeichen dafür, dass an dieser Aussage etwas dran sein könnte.

Bild: AMDs Comeback – Ryzen 7 1800X im Test

Aber was bedeutet das? Es zeigt eigentlich nur, dass AMD sich mit dem Ryzen-Launch hätte mehr Zeit lassen müssen, damit eben diese Optimierungen stattfinden. Ausgereiftere BIOS-Versionen, so wie sie uns eben zum Test vorlagen, hätten viel Kritik zum Launch erspart. Wir können attestieren, dass wir mit Ryzen 7 1800X auf einem sehr rund und geschmeidig laufenden System arbeiten konnten, und das mit zwei unterschiedlichen Hauptplatinen.

Ryzen zeigt aber auch weitere Verbesserungen an anderen Stellen. Beispielsweise die verbesserte Leistungsaufnahme, welche mit dem neuen Fertigungsprozess einhergeht. Denn auch an diesem Punkt braucht man sich absolut nicht hinter den Topmodellen von Intel zu verstecken und zeigt teils auch bessere Werte. Hitzig ist der Ryzen 7 1800X – darf er aber bei acht CPU-Kernen und 16 Threads durchaus sein, denn immerhin müssen in Spitzen bis zu 125 Watt in der Leistungsaufnahme gekühlt werden. Dass dies dabei sehr leise erfolgen kann, ist umso erfreulicher für den Kunden, und so nimmt man gerne höhere Temperaturen in Kauf.

Übertakter hingegen müssen sich demnach aber darauf einstellen, dass man wirkliche OC-Erfolge leise nicht bewerkstelligen kann, es sei denn, man arbeitet mit High-End-Wasserkühlungen. Ryzen braucht kühle Temperaturbereiche, aber auch höhere Spannungen, um in höhere Taktregionen als 4,1 GHz vorstoßen zu können. Von Hause aus und mit Luftkühlung bleibt kaum Platz nach oben.

AMDs ausgerufene Preise darf man als klare Kampfansage an Intel verstehen, denn mit dem Ryzen 7 1800X hat man im Vergleich zum Core i7-6900K mit ähnlichen Eckdaten die klar interessantere CPU im Programm, und das für die Hälfte des Preises. Aber es gibt auch noch andere Intel-Prozessoren, die ungefähr im gleichen Preisbereich spielen, beispielsweise der Core i7-6850K.

Was bedeutet das für uns? Wie üblich: Nach dem Launch ist vor dem Launch. Wir haben noch viele weitere Ergebnisse und inzwischen auch neue BIOS-Versionen für verschiedene Mainboards – und wir haben weitere Mainboards und den Ryzen 1700X vorliegen, den es ebenfalls zu betrachten gilt. Zudem sind weitere Prozessoren zu uns unterwegs, und so heißt es also: zurück an die Teststation. Doch erst einmal nehmen wir uns ein Wochenende frei, bevor Ryzen uns wieder packt. Eines steht fest: AMD is back!

[fo & pg], 10. März 2017