AMD Ryzen 7 Reloaded: R7 1700 bis 1800X erneut im Test

Prozessoren | HT4U.net | Seite 30

Fazit



Mehr als drei Wochen nach AMDs offizieller Vorstellung der Ryzen-7-Prozessoren müssen wir feststellen, dass noch viele Fragen offen sind und AMD leider keine beantwortet. Zu allem, was der Hersteller bislang öffentlich nicht kommuniziert hat, gibt es weder vom Marketing noch von der Technik Feedback. Es gab hier und dort Statements, beispielsweise, dass Ryzen eine neue Architektur darstellt und es bei der Software Optimierungsbedarf bei den Software-Herstellern gibt. Bislang erblicken wir weder auf der Applikations- noch auf der Spielehersteller-Seite irgendwelche Updates, welche sich mit Ryzen beschäftigen. Die von AMD angesprochenen simplen Optimierungen sind möglicherweise nicht so simpel, oder AMDs Bemühungen sind zu gering.

Die Hinweise von AMD nach einem Temperatur-Offset von 20 °C bei Ryzen 7 1700X und 1800X werfen nach unseren heutigen Tests mehr Fragen auf, als sie klären. Die Leistungsaufnahme zeigt sich nach den heutigen Zahlen klar höher, als vor drei Wochen veranschlagt. Aber wer glaubte, dass Achtkern-CPUs mit zugeschaltetem SMT (= maximale Vollauslastung der Einheiten) wirklich sparsam seien, der ist dem TDP-Holzweg gefolgt, den AMD an die Presse gab und der nichts mit der realen elektrischen Leistungsaufnahme der Prozessoren zu tun hat.

Bild: AMD Ryzen 7 Reloaded: R7 1700 bis 1800X erneut im Test

Was Performance-Verbesserungen durch BIOS-Updates betrifft, so sind wir ebenfalls nicht zufrieden. Das BIOS-Update auf der MSI-Hauptplatine im Test bewirkt im Bereich Performance nichts und liegt zur letzten Version mehr oder minder gleichauf. Abweichungen scheinen sich nur im Bereich der Messtoleranz zu bewegen. Ein A-XMP-Profil ist in der Theorie lobenswert. In der Praxis haben wir aber unter Beweis gestellt, dass es Speichermodule braucht, welche für Ryzen-Prozessoren entwickelt sind, damit der Anwender Sicherheit für Kompatibilität und höhere Leistung hat. Eine entsprechende Investition bringt allerdings nur unter Spielen wirklich Profit, wie hier schon gezeigt.

Klar wird inzwischen, nach weiteren Produkt-Ankündigungen von AMD, aber auch, dass es Ryzen 7 1700 als kleinstem Achtkern-Prozessor vorbestimmt ist, sich mit Intels schnellsten Vierkern-Modellen zu messen. Ryzen 5 1600X (Sechskern-CPU) soll sich mit dem Core i7-7600K anlegen. All das mag in der Praxis und gemessen am Preis auch durchaus aufgehen, wenn man eben die hinterlassenen Baustellen im Bereich Software-Optimierung angeht und umsetzt. Vom für April 2017 angekündigten AMD-Update ist wenig zu erwarten, da man sich hier eher nur um das Verhalten der CPU-Kerne beim Erkennen von Last und Idle kümmert – sprich: die Kerne sollen schneller aufwachen und auf Leistung gehen. Man darf mit 1 bis 2 Prozent Performance-Zuwachs maximal rechnen. Alles andere muss über die Software-Hersteller gerichtet werden – es sollte AMDs oberste Priorität sein, das zu lösen.

Denn unterm Strich bleibt AMDs Ryzen durchaus eine geile Alternative, nicht nur vom Preis her. Die Plattformen laufen derzeit schon sehr rund und machen Spaß, und in Anbetracht der beiden neuen hinzugefügten CPUs gefällt uns natürlich der Ryzen 7 1700 am besten. Er bietet die beste Leistungsaufnahme sowie ein (angeblich) korrektes Temperaturverhalten, und er hat den besten Preis bei gleichzeitig höchsten Reserven für Tweaker und Übertakter. Den Ryzen 7 1700 gibt es aktuell zu Preisen ab rund 345 Euro, klar günstiger als zum Launch vor drei Wochen. Die signalisierten hohen Preisvorteile gegenüber Intel verblassen aber aktuell, denn der Core i7-7700K, mit welchem sich der R7 1700 messen muss, liegt bei rund 360 Euro und damit mehr oder minder auf einem Preisniveau in Anbetracht der aktuell (noch) besseren Leistung des Intel-Modells.

AMDs Ryzen 1700X liegt derzeit bei Anschaffungskosten um 435 Euro und will sich mit Sechskern-Modellen aus Intels Enthusiasten-Liga anlegen. Man hat als Achtkern-Modell aber derzeit noch Probleme, sich mit dem Topmodell aus dem typischen Desktop-Bereich, i7-7700K, zu messen. Einen passenden Vergleich können wir momentan aber nicht bieten, weil Intel diese Prozessoren nicht zu Testzwecken an die Presse verschickt (wir hoffen dann jetzt einmal auf Besserung), und aus dem Handel haben wir sie noch nicht zur Verfügung gestellt bekommen. Allerdings dürfte ein Core i7-6800K mit 455 Euro einem Ryzen 7 1700X das Leben verdammt schwermachen. Den Beweis versuchen wir noch anzutreten, sofern unsere Anfragen nach Testmustern positiv beantwortet werden.

Bleibt abschließend noch einmal der Blick auf den R7 1800X, welcher atuell zu Preisen ab 560 Euro gehandelt wird. Er ist der eigentliche Star der bislang gezeigten Show, will er doch den Core i7-6900K herausfordern, welcher noch immer auf einem Preisniveau von 1.100 Euro agiert. Das gelingt unter Anwendungen problemlos, da ist gar der Ryzen 7 1700X nahe dran. Doch kommen die Spiele zum Einsatz, verliert man an Boden. Der 6900K liegt vorne, wenn auch nur knapp.

[pg], 28. März 2017



 



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