AMD Ryzen 7 Reloaded: R7 1700 bis 1800X erneut im Test

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Mainboard – das Zünglein an der Waage?



Die Auswahl an Mainboard-Herstellern ist gegenüber früheren Jahren drastisch gesunken. Die Vorlieben der Anwender liegen momentan bei den drei Großen ASUS, Gigabyte und MSI oder auch ASRock. Biostar als weiterer verbliebener Mainboard-Hersteller taucht kaum in irgendwelchen Empfehlungen in Foren auf.

Bild: AMDs Comeback – Ryzen 7 1800X im Test
Während der Arbeiten zu unserem ersten Test durften wir im Austausch mit Kollegen ein paar teils auch verwirrende Informationen erhaschen. AMD hatte der Presse unterschiedliche Test-Kits zugeschickt, und unter den Hauptplatinen befanden sich Modelle von ASUS, Gigabyte und MSI. Unter anderem fiel die Aussage, dass die ASUS-Platine die schnellste sei und bei dem einen Mainboard dies nicht, bei dem anderen das nicht funktioniere. Zu guter Letzt bleibt hier aber wieder das Statement aus unserem ersten Test: AMD hat Ryzen zu früh auf die Tester losgelassen, und erst drei Tage vor dem Launch gab es einen Schwung frischer BIOS-Updates für alle Kandidaten, welcher in allen Bereichen für Besserung sorgte. Oder drücken wir es anders aus: Es lief dann offenbar erstmals so reibungslos, wie man das von einem System erwartet. Die Tester aber wiederum standen unter massivem Zeitdruck, und die negativen Eindrücke aus den Testphasen blieben haften.

Da wir verschoben hatten und erst mit den "frischen Updates" starteten, erlebten wir all die Probleme davor nicht und durften uns an rund laufenden Systemen erfreuen. Das gilt für den Haupttestkandidaten MSI X370 Power Titanium ebenso wie für die zwei Tage Gehversuche auf dem ASUS Prime X370-Pro.

Uns liegen aktuell vier Hauptplatinen vor. Die drei von AMD verschickten Modelle, welche für die Presse gedacht waren, und eben zusätzlich noch das von ASUS überlassene Prime X370-Pro. Wir wollen uns natürlich alle vier Platinen noch in Ruhe anschauen und dazu berichten – passt natürlich zeitlich gerade wieder nicht, wird aber noch folgen. Aktuell wollen wir aber die Leistungsunterschiede zwischen den beiden bereits im Einsatz befindlichen Mainboards zeigen.

Performance-Index
Alle Tests
AMD Ryzen 7 1800X
[MSI X370 Power Titanium]
100
AMD Ryzen 7 1800X
[ASUS Prime X370-Pro]
99
Prozent
Benchmark-Übersicht ein-/ausblenden


Das Resultat ist beruhigend, denn man gibt sich nichts, nimmt sich aber auch nichts, und genau das, was herauskommen soll, wenn zwei korrekt arbeitende Hauptplatinen mit dem identischen Chipsatz aufeinandertreffen und keine proprietären Übertaktungsfunktionen für Prozessor oder Speicher zuschalten.

Wir unterstellen aktuell mehr oder minder für alle Platinen der Hersteller im aktuellen Status das in etwa gleiche Resultat, zumindest im Hinblick auf die Performance. Der marginale Rückstand des ASUS im derzeitigen Vergleich kann durch eine neuere BIOS-Version schon verschwunden sein.

Temperaturen – Lüge und Wahrheit



Hitzig nannten wir im ersten Test den Ryzen 7 1800X und vertrauten auf AMDs Temperatursensoren. Nach der aktuellen Historie bei AMD-CPU-Sensoren über die vergangenen Jahre hinweg hätte dieses Vertrauen nicht gesetzt werden sollen – denn es entspricht auch nicht der Wahrheit. AMD hat nämlich die Ryzen-7-Temperaturen der Modelle 1700X und 1800X absichtlich schlechter dastehen lassen. Wir hätten es eigentlich wissen müssen, denn unser externes Laser-Messgerät nahm beim 1800X unter Last Temperaturen unter 50 °C an den Pipes und am Sockel ab, dennoch sprach die Sensor-Auslesung von über 80 °C – ein eigentlich nicht möglicher Umstand.

AMD Ryzen 7 1800X Sensor Lasermessung
Idle 48 °C 34 °C
Video-Encoding 71,4 °C 41 °C
Prime-Last 80 °C 48 °C


Des Rätsels Lösung brachte erst ein AMD-Blog-Post, in welchem der Hersteller darüber aufklärt, dass die Temperaturen von Ryzen 7 1700X und 1800X absichtlich um 20 °C zu hoch angesetzt wurden – dieses Offset gilt beim Ryzen 7 1700 aber wiederum nicht. Die Erklärungen, welche AMD hierzu liefert, sind auf den ersten Blick wenig plausibel. Man spricht von einer allgemeinen Lüfterkurve für alle AMD Ryzen 7, und die sei nicht optimal für die beiden großen Ryzen-7-Modelle umgesetzt, weshalb man auf dieses Offset zurückgegriffen habe.

Bild: AMDs Comeback – Ryzen 7 1800X im Test
Logisch klingt dies erst einmal nicht, denn eine flüsterleise Kühlung bei Temperaturen um 60 °C ist durchaus gern gesehen. Wenn da eben nicht die XFR-Funktion wäre – der zusätzliche Turbo von bis zu 100 MHz bei 1700X und 1800X. Dieser scheint in dieser Lüfterkurve nicht optimal gearbeitet zu haben, weshalb man den Weg beschritt. Der erklärt sich dadurch erst einmal, da XFR sich in Tests nachweisen lässt, trotz des Offsets. Gleichzeitig kräuseln sich unsere Nackenhaare, da AMD im Presse-Briefing davon gesprochen hatte, dass XFR unter anderem von der CPU-Temperatur abhängig sei und der optimale Bereich bei 60 °C läge. Warum also ein 20-°C-Offset?

Wir können dieser getroffenen Aussage weder technisch noch praktisch folgen, denn im Idle-Modus würde dies bedeuten, dass der Ryzen-7-1800X-Prozessor mit lediglich 28 °C gearbeitet hätte. Unser Laser nahm aber an den Pipes bereits 34 °C ab. Für Aufklärung können wir leider noch nicht sorgen, denn AMD antwortet aktuell nicht auf Fragen, die nicht offiziell schon beantwortet worden sind. Weder unsere technischen noch unsere Marketing-Ansprechpartner geben in irgendeiner Form ein Feedback zu Anfragen, und das betrifft leider aktuell viele Bereiche. Ein Whitepaper, welches Ryzen 7 klar dokumentiert und Antworten geben könnte, fehlt bislang leider auch.

Temperaturverhalten Idle Video-Encoding Prime-Last
R7 1800X 48 °C 71,4 °C 80 °C
R7 1700X 46,7 °C 69 °C 73,5 °C
R7 1700 33,6 °C 50,2 °C 53,5 °C


Spanische Wochen bei AMD – wenn wir 20 °C subtrahieren, bleiben durchaus Fragen offen. Die Resultate wollen uns nicht überzeugen, und von den -20 °C gehen wir aktuell nicht als Faustformel aus. Ob es abermals die CPU-Sensoren sind, welche zicken, wissen wir nicht.

Neue BIOS-Versionen und neue Lüfterregelkurven?



Wir hatten das MSI-Mainboard ursprünglich mit dem BIOS 117 getestet und erhielten schließlich vom Hersteller das Beta-BIOS 126, welches uns als "Performance-BIOS-Update" angekündigt wurde. Da es keine Release-Notes über die Änderungen gab, waren wir abermals im Blindflug unterwegs. Was wir aber sehr schnell herausfiltern konnten, war der Umstand, dass sich an der Lüfterregelkurve etwas geändert hatte.

Eben das, was AMD mehr oder minder nebulös zu erklären versuchte, scheint mit Updates jetzt verbessert worden zu sein. Bemerkbar machte es sich an dem Umstand, dass wir plötzlich unter Benchmark-Last auf mehreren Kernen den CPU-Lüfter heraushören konnten. Zwar nicht laut oder störend, aber er war da, und das war zuvor nicht der Fall. Bis dato wurde Ryzen fast in allen Lebenslagen "lautlos" gekühlt – wir sprechen von Drehzahlen klar unter 1.000 Umdrehungen pro Minute bei unserem Noctua-Lüfter und einer Geräuschkulisse von deutlich unter 15 dB(A).

Die Änderung der Regelkurve machte sich dann auch in Bereichen wie der Leistungsaufnahme oder den Temperaturen leicht bemerkbar und führte in dem einen oder anderen Fall zu etwas besseren Werten. Die höhere Regelkurve sorgt dann aber ebenfalls dafür, dass der zusätzliche "XFR-Turbo" von bis zu 100 MHz auf einem CPU-Kern häufiger einsetzen kann, bedingt aber grundsätzlich Single-Core-Anwendungen, damit Profit daraus gezogen werden kann.

 



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