AMD Ryzen 7 Reloaded: R7 1700 bis 1800X erneut im Test

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Ryzen 7: Leistungsaufnahme der CPU



Update 31.03.17:
Nach weiteren Recherchen und internem Abgleich aller vorliegender Resultate müssen die aktuellen HWiNFO-Ergebnisse tatsächlich hinterfragt werden. Es hat derzeit den Anschein, dass die Entwickler zwar Register gefunden haben und auslesen können, aber in Ermangelung von AMD-Support ist derzeit absolut unklar, was genau ausgelsen wird und was es für die Praxis bedeutet. An diesem Punkt darf man erneut den Kopf schütteln, dass nach knapp vier Wochen der Verfügbarkeit der Prozessoren noch immer keine Dokumentationen seitens AMD veröffentlicht sind und Anfragen nicht beantwortet werden. Gleichzeitig sind wir hier aber schlicht einer eigenen Fehlauswertung aufgesessen, die hätte auffallen sollen. Es mag sein, dass an gewissen Stellen HWiNFO tatsächlich auf die richtigen Register gestoßen ist, was genau dort aber gemessen wird, bleibt unklar. Es scheint aktuell recht sicher zu sein, dass Ryzen sich als neue CPU-Architektur sich nicht nur noch ausschließlich aus der 12-Volt-Leitung versorgt. Aber alles das prüfen wir aktuell noch einmal intensiv nach.

Wir haben momentan den Vergleich der realen CPU-Leistungsaufnahme offline genommen und die Werte der Gesamtsystem-Leistungsaufnahme belassen. Dieses Kapitel belassen wir aus Gründen zur Nachvollziehbarkeit.


Entsprechende Messungen hatten wir bereits in unserem Ryzen-Startartikel gezeigt, allerdings mit dem Hinweis versehen, dass die aufgenommenen Werte mittels Zangenamperemeter ausschließlich die Leistungsaufnahme "brutto" über die 12-Volt-Leitung des Netzteils darstellen und die Wandlerverluste des Mainboards mit beinhalten.

Bild: AMD Ryzen 7 Reloaded: R7 1700 bis 1800X erneut im Test
R7 1800X Prime-Last
Die Korrektheit dieser Messungen ist allerdings von verschiedenen Umständen abhängig. Einmal muss gesichert sein, dass die neuen Ryzen-Prozessoren sich auch weiterhin ausschließlich aus der 12-Volt-Leitung versorgen und nicht, wie Intel-CPUs seit einer Weile, auch noch die 3,3-Volt-Leitung anzapfen. Zum anderen müsste man den Wirkungsgrad der Wandler des zum Einsatz kommenden Mainboards kennen, um die exakte Leistungsaufnahme ermitteln zu können.

Umstand Nr. 1 haben wir an AMD kommuniziert und klar nachgefragt, wie sich Ryzen in seinen Anforderungen bei der Spannungsversorgung verhält. Wir erhielten abermals keine Antwort. Wir scheinen sie aber nun doch geben zu können, denn wie bereits angedeutet, geht es eleganter. So viel Sensortechnik, wie AMD in Ryzen zur Überwachung verbaut hat, muss auszulesen sein. In den letzten Tagen hagelte es HWiNFO64-Updates. Die ersten Varianten hatten die CPU-Package-Power ausgelesen, die letzten werden nun noch feiner in ihren Informationen und wir müssen unsere bisherigen Resultate danach verwerfen, denn Ryzen 7 hat definitiv mehrere Spannungsquellen, als lediglich die 12-Volt-Leitung.

Wir bilden nachfolgend unsere Aufzeichnungen der drei neuen AMD-Achtkern-Prozessoren ab und unterstellen dabei, dass die Entwickler von HWiNFO klar bessere Informationen von AMD zurückerhalten und damit auch zuverlässige Werte liefern.

Leistungsaufnahme R7 1800X R7 1700X R7 1700
Idle (Sensor) 5,239 Watt 8,094 Watt 8,014 Watt
Idle (Zangenamperemeter) 6,24 Watt 9,24 Watt 6,7 Watt
Idle-Spannung 0,4 – 1,019 V 0,4 – 0,969 V 0,4 – 0,912 V
Idle-Takt (typisch) 2,195 MHz 2.195 MHz 1.547 MHz
C2MP (Sensor) 116,72 Watt 114,85 Watt 82,96 Watt
C2MP (Zangenamperemeter) 93,12 Watt 91,2 Watt 67,80 Watt
C2MP-Spannung 1,150 V 1,081 V 0,950 V
C2MP-Takt (tyoisch) 3.468 – 3.568 MHz 3.493 MHz 3.143 – 3.193 MHz
C2MP-Takt (maximal) 4.092 MHz 3.892 MHz 3.742 MHz
C2MP-Spannung (maximal) 1,506 V 1,550 V 1,550 V
Prime (Sensor) 148,012 Watt 134,72 Watt 109,32 Watt
Prime (Zangenamperemeter) 113,57 Watt 112,92 Watt 83,8 Watt
Prime-Spannung 1,156 V 0,956 – 1,138 V 0,887 V
Prime-Takt (tyoisch) 3.692 MHz 3.493 MHz 3.193 MHz
Prime-Takt (maximal) 3.692 MHz 3.493 MHz 3.194 MHz
Prime-Spannung (maximal) 1,550 V 1,300 V 0,919 V


Die Idle-Werte sind mit Vorsicht zu genießen, denn sobald ein Auslese-Tool aktiv ist, kann AMD nicht in den tiefsten Sleep-Modus wechseln, zumindest aktuell noch nicht. Die Werte liegen damit klar höher, als ohne aktives HWiNFO! Gleiches könnte für Intel-CPUs der letzten Dekaden zutreffen, denn auch dort durften wir feststellen, dass manche Modelle jüngerer Charge doch mehr Leistungsaufnahme für sich beanspruchen. Beim Ryzen wird es aber optisch deutlicher, da man über die Tools massive Takt- und damit Spannungssprünge beobachten kann, die man im Verhalten so von Intel nicht kennt.

Bild: AMD Ryzen 7 Reloaded: R7 1700 bis 1800X erneut im Test
HWiNFO ältere Version
Die drei Testprobanden zeigen klar, was AMD macht. Über Spannungen und Takt holt man in Anlehnung an die Leistungsaufnahme das Maximum heraus und versucht sich dabei innerhalb intern gesetzter Grenzen zu bewegen. Die Grenze TDP ist ein wichtiges Kriterium, welches AMD nach außen nun aber anders kommuniziert – wir haben das hier bereits deutlich erklärt.

95 Watt für R7 1700X und R7 1800X passen bei der elektrischen Leistungsaufnahme also überhaupt nicht mehr. 65 Watt für den Ryzen 7 1700 ebenfalls nicht, wenngleich die Resultate versöhnlicher stimmen. Die geringere Leistungsaufnahme des R7 1700 löst man klar über Beschränkungen bei dem Takt, den Spannungen und möglicherweise auch in der Produktselektion (gute Chips selektiert). In der nackten Realität sprechen wir aber von Prozessoren der 100- bis 150-Watt-Klasse, und in 14-nm-Fertigung wird dann im realen Vergleich zu Intel ein Schuh daraus, auf dem Papier täuschen die AMD-Angaben aber.

Lernen können wir aktuell aus diesen Auswertungen wenig. AMD hat auch hier Potenzial zu Optimierung, wenngleich wir dabei vorrangig an den Idle-Modus denken. Unter Last dürfte keine Optimierung mehr möglich sein, man bewegt sich mit 14-nm-Technik schlicht auf dem Niveau, welches auch Intel erreicht hat. Man hat es zuvor nur eben schöngeredet durch die TDP-Angaben, welche anders verstanden werden sollen.

Was bedeutet die neue Erkenntnis für die Praxis? Wir werden künftig auf die Darstellung der Leistungsaufnahme des gesamten Systems verzichten und lediglich noch die interessanteren Daten der reinen CPU mit ins Feld führen. Bei den älteren AMD-Prozessoren, welche noch nicht über die Sensorik verfügen, bedienen wir uns der Messung der Brutto-Leistungsaufnahme über Zangenamperemeter aus der 12-Volt-Leitung.

Update 29. März 2017:
Nach nicht wenigen Leserrückmeldungen, gehört der letzte Absatz schon wieder der Vergangenheit an! Die Gesamtsystemleistungsaufnahme ist für viele offenbar ein wichtiger Hinweis dafür, wie sich ein ähnlich zu konfigurierendes System in der Praxis verhält. Und in der Tat ist dies ein nicht ganz falscher Ansatz, denn vergleicht man die Leistungsaufnahme der gesamten Systemplattform, so fällt Ryzen eher positiv auf, verglichen zu einem Sockel-2011-System von Intel, und nicht nachteilig durch den reine elektrische Leistungsaufnahme der CPU. Natürlich mag das den schlankeren Plattformen geschuldet sein, welche AMD aktuell anbietet, aber auf der CPU-Haben-Seite bleibt dennoch ein gewisses Plus.

Von daher haben wir die Gesamtleistungsaufnahme der Systeme auf den folgenden Seiten wieder online genommen.

 



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