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Porno-Abmahnungen: Wurden die Nutzer bewusst in die Falle gelockt?

Internet | HT4U.net
Die aktuelle Flut der Abmahnungen gegen Porno-Streamer schlägt immer größere Wellen. Doch dabei geraten immer mehr die Rechteinhaber und ihre Helfer ins Visier, denn anscheinend ist nicht nur zweifelhaft, woher die IPs stammen, sondern man hat ganz bewusst versucht, die Streamer in eine Falle zu locken.

Sehr detailliert haben sich die Kollegen von Chip mit dem Thema befasst und dabei zahlreiche Unstimmigkeiten entdeckt. Dies beginnt schon mit dem Blick auf die Firma itGuards, welche im Auftrag von The Archive die Ermittlungen geführt hat. Das Unternehmen wurde erst am 21. März dieses Jahres gegründet. Dies erfolgte durch das auf Erstellung von Briefkastenfirmen spezialisierte Unternehmen Business Filings Incorporated. Unklar ist vor allem auch, welche Leistungen itGuards bietet, denn die Homepage ist gefüllt mit leeren Beschreibungen.

Verstrickte Unternehmen


Ebenfalls interessant ist, dass die Domain von itGuards kurz vor der neuen de-Domain von The Archive erstellt wurde. Interessanter ist noch, dass beide Domains auf dem selben Server liegen. Gesteigert wird das noch, wenn man feststellt, dass beide Webseiten mit Wix.com erstellt wurden. Und richtig spannend ist dann, dass kowabit.de berichtet, dass der Autor beider Webseiten laut Quellcode der Seiten dieselbe User-ID aufweist.

Ein weiteres Augenmerk richten die Kollegen auf die Software GLADII 1.1.3, welche für die Ermittlungen benutzt wurde. Diese Software wurde im Vorfeld durch ein Gutachten einer Münchner Kanzlei geprüft und deren richtige Arbeitsweise bestätigt. Der Kanzlei Müller Müller Rößner reichte dies jedoch nicht aus, weshalb man weitere Auskunft beim Gericht in Köln einholte. Dort erklärte man dann, dass die Software eine Reihe von Informationen von Besuchern einer jeweiligen Seite abrufe.

Hier drängt sich die Frage auf, wie diese Informationen von Redtube kommen konnten, wenn man doch keinen Zugriff auf den entsprechenden Server hatte. Im Hause Redtube betont man jedoch, dass die Firma itGuard keinen Zugriff hatte, und damit scheint die Ermittlung der IPs auf diese Weise nicht möglich gewesen zu sein.

Damit spricht vieles dafür, dass die Abgemahnten mittels eines Redirects auf die entsprechenden Filme von The Archive geleitet wurden. Das Unternehmen hat interessanterweise die Rechte an den besagten Filmen erst am 21. Juli dieses Jahres erworben, und drei Tage später wurde die Domain redtube.net registriert. Zu diesem Zeitpunkt stiegen auch die Zugriffe auf die besagten Filme deutlich an.

Trotzdem richtig reagieren


Trotz all der zweifelhaften Zufälle muss das Thema mit äußerster Vorsicht angegangen werden. Insbesondere darf dabei nicht aus den Augen verloren gehen, dass die Abmahnungen, welche von der Kanzlei U+C verschickt werden, gültig sind und als solches tauglich, um weitere rechtliche Schritte einzuleiten. Daher sollte auf diese Abmahnungen auch entsprechend reagiert werden.

Allgemein wird empfohlen, die Zahlung von 250 Euro zu unterlassen und die vorgeworfenen Rechtsverletzungen zu bestreiten. Im Zweifel empfiehlt sich immer der Weg zu einem Anwalt oder dem Verbraucherschutz, welche hier beratend tätig werden können.
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Stichworte zur Meldung: Software Ip Server Domain Itguard Archive The Abmahnung Redtube Weiterleitung Redirect