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NVIDIA erlaubt der Presse weitere Informationen zur kommenden Titan-X-Grafikkarte

Grafik | HT4U.net
Aktuell hält NVIDIA mit der GeForce-GTX-1080-Grafikkarte auf Basis der neuen Pascal-Architektur in 16-nm-Fertigung die schnellste Single-GPU-Grafikkarte auf dem Markt vor. Von daher kam vor wenigen Tagen sehr überraschend die Pressemitteilung des Herstellers, dass man am 2. August 2016 nun die neue Titan-X-Grafikkarte auf Basis der Pascal-Architektur ins Rennen schicken wird. Im heutigen telefonischen Presse-Briefing gab NVIDIA den anwesenden Redakteuren weitere Einblicke – vollkommen überraschend ohne eine Vereinbarung zur Verschwiegenheit (NDA).

Eine Überraschung jagt die nächste. Nicht nur die Ankündigung der neuen Titan X auf dem Papier vergangene Woche in einer E-Mail des Herstellers überraschte die Presse. Nein, auch im heutigen Briefing-Call des Herstellers, zu welchem Teilnehmer weltweit geladen wurden, hielt der Hersteller einige Überraschungen parat, allen voran den Umstand, dass die erteilten Informationen keinem NDA unterliegen und verwendet werden dürfen.

Das gab es in der Form bislang noch nie. Warum NVIDIA aktuell ohne Not so schnell die Titan X aus dem Hut zaubert, konnte man leider irgendwie ebenfalls nicht vermitteln bzw. beantworten.

Die Neuigkeiten

Dass NVIDIA die neue Titan X auf Basis der bislang nicht gezeigten oder angekündigten GP102-GPU aufsetzt (GTX 1070 und 1080 basieren auf GP104), war bereits nach der ersten Ankündigung klar. Ebenso, dass man mit 3.584 Shader-Einheiten, einem Basistakt von 1.417 MHz und einem Boost-Takt von 1.531 MHz starten wird.

Bild: NVIDIA erlaubt der Presse weitere Informationen zur kommenden Titan-X-Grafikkarte
Im heutigen Briefing erklärte NVIDIA allerdings auch eine gewisse Anlehnung der GP102-GPU an die GP104-GPUs in Form der bisherigen Grafikkarten. Die FP32-Leistung soll bei rund 11 TFLOPS liegen, die INT8-Rate, welche für Deep-Learning-Inferencing wichtig ist, beträgt wie beim GP104-Chip die vierfache Leistung, was 44 GOPS entspricht. Auf diese Deep-Learning-Community soll die neue Titan X auch mit abzielen, weshalb NVIDIA hier keine reinrassige Spieler-Grafikkarte sieht.

Wer allerdings glaubt, dass die Titan X sich damit auch mehr allgemein ins Profisegment verlagern würde, der irrt. Für das Segment High-Performance-Computing wichtige FP16- und FP64-Leistungen verhalten sich mehr oder minder identisch zur bisherigen GP104-GPU. An dieser Stelle hätte sich so mancher Anwender aus diesem Bereich wohl eher eine Anlehnung an den GP100-Chip für das Profisegment gewünscht. Doch absichtlich hat NVIDIA hier einen Strich durch die Rechnung gemacht, damit "Gaming-Grafikkarten" nicht das teure Tesla-Profisegment kannibalisieren. Damit bleibt die Titan X mit ihrer riesigen Chipfläche von 471 mm² für die Anwender aus dem Computing-Segment ein teurer, zahnloser Tiger und eben wiederum nur für die Anwender im Spiele- und Deep-Learning-Segment eine interessante Investition.

Weitere Überraschungen

Entgegen erster Annahmen wird die neue Titan X nicht auf den Namen GeForce GTX Titan X hören wie der Vorgänger, sondern lediglich auf die Bezeichnung Titan X. Warum man sich durch etwaige Zusätze wie "Titan X Pascal" oder "Titan X Rev. 2" nicht vor Verwirrungen schützt, konnte der Hersteller auf konkrete Rückfragen nicht erklären.

Ebenfalls stellte man nun klar, dass man die neue Titan X ausschließlich über NVIDIAs Online-Shop für 1.200 US-Dollar kaufen kann und es keine Angebote der Board-Partner geben wird, welche im normalen Handel erscheinen werden. Was NVIDIA zu diesem Schritt veranlasst hatte, konnte der Hersteller in der heutigen Telefonkonferenz ebenfalls nicht erklären – trotz wiederkehrender Rückfragen. Das lässt natürlich Raum für Spekulationen, welcher mit Sicherheit in den kommenden Wochen gefüllt werden wird. Bislang bleibt dieser Schritt allerdings NVIDIAs Geheimnis.

Bild: NVIDIA erlaubt der Presse weitere Informationen zur kommenden Titan-X-Grafikkarte
Vollkommen ausschließen, dass die Titan X möglicherweise in manchen Ländern nicht doch über Board-Partner vertrieben wird, wollte der Hersteller dann doch nicht. Hier lässt man sich offenbar eine Hintertür über Absatzmöglichkeiten offen, falls man in Regionen unterwegs ist, in welchen man den Anbietern nicht hinreichende Möglichkeiten über den eigenen Shop bieten kann.

Die Frage nach dem höheren Preis (200 US-Dollar Zuschlag) der kommenden Titan X im Vergleich zur bisherigen Titan X beantwortete man schlicht mit der höheren Performance – oder übersetzt: Man kann es sich eben erlauben, an der Preisschraube zu drehen. Immerhin gibt es keine Konkurrenz.

Ab dem 2. August 2016 startet zwar die offizielle Einführung der Titan X, allerdings wird es zu diesem Datum dann voraussichtlich keine Testberichte geben. Wie NVIDIA mitteilt, werden die Testmuster voraussichtlich erst nach dem 2. August an die Presse verschickt. Aktuell gibt es also keine Samples. Auch dies verwundert, denn ob NVIDIA nun am 2. August oder am 30. August eine neue Titan X vorstellt, die noch mehr Performance als die GTX 1080 bietet – wer hätte dem eben etwas entgegenzusetzen?

Ansonsten gewohnte Kost bei 250 Watt

Während die GeForce GTX 1080 mit einer TDP von 180 Watt ausgerüstet ist und ihre liebe Mühe hat, mit den voreingestellten Beschränkungen auch nur im Ansatz ihren Boost-Takt zu halten, hat NVIDIA die TDP der kommenden Titan X auf 250 Watt hochgeschraubt. Dazu stehen der Grafikkarte dann ein 6- und ein 8-Pin-Stromanschluss zur Verfügung.

Beim Kühler hingegen gibt es keine Überraschungen, denn wie NVIDIA heute bestätigt, kommt der identische Kühler wie bei der GTX 1080 zum Einsatz, welcher dann eben in einer schwarz eloxierten Version antritt – ähnlich wie seinerzeit bei der Titan Black. NVIDIA sieht seinen Kühler auch bei High-End-Modellen aktuell als das Maß der Dinge bei Referenzumsetzungen, aber eben nur dort ist er das auch wirklich. Bei 1.200 Euro Anschaffungskosten hätte sich der eine oder andere Anwender vermutlich eine bessere Kühllösung erhofft. Auf Grund der ausbleibenden Partnerlösungen bei der Titan X – das bestätigte der Hersteller ebenfalls – ist damit aber nicht zu rechnen.

Auch SLI-Lockerungen über 2-Wege-SLI hinaus sieht NVIDIA aktuell wie bei den GTX-1070- oder GTX-1080-Modellen nicht vor. Multi-Grafikkartenbetrieb wird immer uninteressanter.
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