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Keine Verfügbarkeit - kaum Tests

Intel Core X - die neuen Intel-Prozessoren für X299-Chipsatz starten

Prozessoren | HT4U.net
Intel hat den Startschuss für seine neuen High-End-Desktop-Prozessoren abgefeuert, doch eher halbherzig. Die neuen Modelle für den X299-Chipsatz können nun erstmals vorbestellt werden, zumindest zum Teil. Die Vier- bis Zehnkern-Modelle sollen noch im aktuellen Juni 2017 käuflich zu erwerben sein, Modelle mit mehr als zehn CPU-Kernen gibt es aber erst ab August. Die Verfügbarkeit ist auch für die Presse miserabel. Intel kann zum offiziellen Start Europa nicht bedienen. Die Antwort auf AMDs Ryzen und den kommenden Threadripper fällt aktuell also (noch) verhalten aus.

Da ist Intel seine Meinung wohl geändert worden – und zwar vom bisherigen Underdog AMD. Dessen Vorstellung der Ryzen-Prozessoren hat offenbar zu grundlegender Überarbeitung der CPU-Pläne und Preispolitik für die neuen Modelle geführt, welche nun in dem neuen Sockel LGA2066 ihr zu Hause finden sollen. Nur so lässt es sich erklären, dass viele Modelle teils noch ohne konkrete Eckdaten angekündigt wurden und auch erst ab August 2017 verfügbar sein sollen. So lässt es sich erklären, warum europaweit keine Muster rechtzeitig an die Presse gegangen sind. Aber auch die neu ausgerufenen Preise sprechen dafür, dass Intel seinen Kontrahenten im Mehrkern-CPU-Bereich klar erkannt hat.

Was gibt es Neues?

Vierkern-Modelle, welche derzeit die Spitze noch im regulären Desktop-Sockel LGA1151 fanden, wandern plötzlich in den neuen Sockel LGA2066 mit X299-Chipsatz – wohlgemerkt teure Plattformen. So gibt es ab der kommenden Woche den Core i5-7640 mit vier Kernen und vier Threads für diesen Sockel, vorbestellbar ab 242 US-Dollar, und den Core i7-7740X mit vier Kernen und acht Threads, vorbestellbar ab 339 US-Dollar. Nehmen wir uns zum Vergleich das bisherige Topmodell aus dem LGA1151 – den Core i7-7700K –, so liegt jener von seinen Eckdaten her nur minimal schechter. Wir sehen einen etwa identischen Cache und lediglich 100 MHz weniger beim Basistakt der CPU-Kerne. Das würdigen die frühen Tests aus den USA allerdings noch nicht, denn da unterliegt der neue Prozessor seinem Vorgänger noch knapp, was vermutlich den BIOS-Versionen der neuen X299-Plattformen geschuldet sein dürfte.

Im Portfolio der Core-i7-Modelle hat Intel dann in Folge den Core i7-7800X (6 x 1 MB L2-Cache und 8,25 MByte L3-Cache) mit sechs Kernen und zwölf Threads sowie den Core i7-7820X (8 x 1 MB L2-Cache und 11 MByte L3-Cache) ins Portfolio aufgenommen. Wie der Cache schon verrät, hat der i7-7820X acht CPU-Kerne und 16 Threads zu bieten und sollte damit prinzipiell die aktuelle Antwort auf AMDs Ryzen 1700X und 1800X darstellen, welcher ebenfalls über acht CPU-Kerne und 16 Threads verfügt. Die Preise spielen auch auf einem recht ähnlichen Niveau. Der i7-7820X kann zu Preisen von 599 US-Dollar vorbestellt werden, das Sechskern-Modell i7-7800X als unmittelbarer Kontrahent zu Ryzen 5 1600X zu Preisen ab 389 US-Dollar.

Wie es mit der Performance aussieht, ist aktuell noch ungewiss, denn überheblich hat Intel die Presse nicht mit diesen Prozessoren besampelt. Erste Tests finden sich aktuell nur zum Core i7-7740K und zum Core i9-7900X. Intel dürfte es abermals dem Käufer oder den Foren überlassen, eine Kaufentscheidung zu treffen, und wird Muster der genannten Modelle wohl schuldig bleiben.

Damit haben wir das letzte, aktuell neue Topmodell bereits angesprochen. Der Intel Core i9 eben erhält eine neue Nummer: Die "9" hatte Intel bislang bei noch keinen CPUs der Core-Reihe im Programm und steht offenbar für maximale Anzahl an CPU-Kernen. Der Core i9-7900X kommt mit 10 Kernen und 20 Threads bei einem Preis von 999 US-Dollar daher und soll ab kommender Woche ebenfalls verfügbar sein. Bei der Preisgestaltung sieht man klare Korrekturen. Der Intel Core i7-6950X mit zehn CPU-Kernen liegt bislang bei Preisen um 1.500 Euro und bietet mit einem Basistakt von 3,0 GHz klar weniger Rechenleistung als das neue Modell mit einem Basistakt von 3,3 GHz und einem Turbotakt von 4,5 GHz.

Die angekündigten Modelle

Da AMDs Ryzen Threadripper ebenfalls ins Haus steht – ein Server-Ableger in Anlehnung an Intels Vorgehensweise bei High-End-Desktop-Modellen –, gab es zwar vier neue Ankündigungen von Intel, aber keine genauen Eckdaten. Diese sollen ab August 2017 verfügbar sein. Die Rede ist von dem Core i9-7920X (12 Kerne, 24 Threads bei 1.199 US-Dollar), dem Core i9-7940X (14 Kerne, 28 Threads bei 1.399 US-Dollar), dem Core i9-7960X (16 Kerne, 32 Threads bei 1.699 US-Dollar Verkaufspreis) und dem absoluten Topmodell, dem Core i9-7980XE mit 18 Kernen und 36 Threads für satte 1.999 US-Dollar Verkaufspreis (OEM-Großhandelspreise).

Wer braucht es?

Die Taktraten oder die Leistungsaufnahme hat Intel noch nicht angekündigt, die Schlacht um den "Längsten" hat begonnen und ist für Intel eventuell mit 18 Kernen bereits entschieden.

Abermals bleibt die Frage, wer oder wen in diesem CPU-Kern-Wahn denn nun die Software-Produzenten an Bord nehmen, um diesen zu erklären, dass die Programme auch von solch einem Overkill Gebrauch machen müssen. Über die Spiele-Entwicklung sind wir inzwischen in Bereichen, dass bei neuen Titeln häufig acht Kerne ausgelastet werden können. Schön ist es, wenn man über die verfügbaren weiteren Threads unter Umständen noch weitere Aufgaben im Hintergrund verteilen kann. Aber darüber hinaus? Es braucht wirkliche Anwendungen und damit Argumente.

Es braucht aber auch Vergleiche. Selbst wenn man zu den wenigen Anwendern gehört, welche von vielen CPU-Kernen in täglicher Praxis profitieren, dann sollte man es möglich machen, diesen Kaufinteressenten auch passende, unabhängige Vergleiche zu präsentieren. Dafür hat AMD aktuell einen Grundstein geliefert und die Presse mit Mustern ausgestattet. Intel geht derzeit weiterhin einen nicht plausiblen Weg und stellt ausgewählte Modelle zur Wahl. Man stellt sich offenbar vor, dass die Redaktionen die Investitionen betreiben und fehlende Prozessoren kaufen.

Nach aktueller Situation im Markt sind wir überzeugt, dass sich auch das ändern wird. Nicht heute und nicht morgen, aber doch schon bald, denn die Konkurrenz ist zurück und zeigt, was sie zu bieten hat. Intel unterstellt noch, dass der Name gewichtet. Wie lange, bleibt abzuwarten.

Bemusterungsgrundlagen unterirdisch

Testen möchten wir prinzipiell alles, zur Verfügung stellt Intel derzeit nichts – zumindest nicht rechtzeitig zu einer Produktvorstellung. Eine CPU wurde uns angekündigt, ein passender Untersatz (sprich Mainbaord) ist nicht verfügbar. Mainboard-Hersteller können derzeit auch nicht zeitnah liefern. Wir wissen nicht, wann Intel sich herablassen wird, uns mit passenden CPU-Mustern auszurüsten. Wir haben Intel im Gespräch aber klar kommuniziert, dass wir die aktuelle Bemusterungs- und Launch-Politik nicht unterstützen werden. Wir warten eben einfach ab.
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