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Roboter auf dem Vormarsch

Wirtschaft | HT4U.net
Roboter sind überall. Auf der Leinwand entzünden sie die Fantasie entweder als knuddelige Helfer wie die Droids BB8, R2D2 und C3PO in den Star-Wars-Filmen, sinistere Bedrohungen für die Menschheit wie in Terminator oder in täuschend echter humanoider Form mit eigener Agenda wie in Westworld. Auch im wirklichen Leben sind Roboter und künstliche Intelligenzen (KI) auf dem Vormarsch, obwohl sie längst nicht so weit entwickelt sind, wie im Film.


Robust, ausdauernd, unermüdlich und lernfähig – in immer mehr Berufsfeldern sind die Maschinen einsetzbar, um den Menschen zu helfen beziehungsweise sie zu ersetzen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat 4.000 Berufe auf Tätigkeiten untersucht. Im folgenden Schritt wurden die so identifizierten Tätigkeiten daraufhin überprüft, ob sie von Robotern übernommen werden könnten. Das Ergebnis: Etwa acht Millionen Menschen arbeiten zurzeit in Jobs, die zu rund 70 Prozent auch von Computern oder Maschinen ausgeübt werden können.

Roboter in der Bank

Bankkaufleute gelten seit jeher als begehrenswerte Berufe. Gute bis sehr gute Bezahlung, Stabilität und Sicherheit haben in beträchtlichen Zahlen für Generationen von Abiturienten den Ausschlag für diese Karriere gegeben. Doch laut der IAB-Studie ist dies eines der Berufsfelder, in dem die überwältigende Mehrheit der Tätigkeiten automatisiert werden könnte. Computer und Algorithmen ersetzen immer öfter die Berechnungen von Bankern aus Fleisch und Blut. Kontoführung, Bonitätsprüfung, Zahlungsverkehr, Anlagen- und Kreditgeschäfte können von KI schneller und zuverlässiger ausgeführt werden.

Rund 88 Prozent der sieben bis acht Kerntätigkeiten von Bankkaufleuten könnten von Computern erledigt werden. Lediglich in der Kundenbetreuung haben die Menschen die Nase vorn, weil der persönliche zwischenmenschliche Kontakt noch immer geschätzt wird. Bankkaufleute sind zur Schrumpfbranche geworden. Um rund fünf Prozent hat ihre Zahl in gerade mal vier Jahren abgenommen.

Roboter in der Medizin

Kranken- und Altenpflege sind undankbare Berufe. Unsoziale Arbeitszeiten, körperliche und psychische Belastung und eine oftmals als unzureichend eingeschätzte Bezahlung machen Kollege Roboter zu einem geschätzten Mitarbeiter. Allerdings sind die meisten Arbeiten, die die Maschinen ausführen, untergeordneter Natur. Sie reinigen, transportieren Akten und Bettwäsche oder liefern Blutkonserven.

Als echter Kollege kommen sie selten zum Einsatz, und wenn, dann quasi als Erweiterung eines menschlichen Mediziners. Zum Beispiel in der Chirurgie. Das Da-Vinci-Chirurgie-System ist größer als ein Mensch, und die vier Arme können vom Mediziner an der Konsole gesteuert werden. Der Vorteil: Die Arme zittern nicht, werden nicht müde oder von Schweiß oder Blut rutschig.

Das Renaissance-System ist so groß wie eine Getränkedose und dient dazu, die chirurgischen Instrumente akkurat an der gewünschten Stelle zu halten und so die Präzision des (menschlichen) Operateurs zu verbessern.

Roboter im Casino

Auch im Freizeitbereich schreitet die Automatisierung voran. Im Casinobereich stellte 2015 die Firma Paradise Entertainment in Macao den Prototyp eines Roboter-Croupiers vor. Min, wie die künstliche Dame genannt wurde, begrüßte die Kunden lächelnd, hatte aber ein sehr begrenztes Konversationstalent. Manche Sätze und Fragen konnte sie jedoch schon damals akkurat bestimmen.

Das Casino Österreich nutzte 2016 einen Roboter namens Pepper zu Werbezwecken. Das aus Japan stammende Modell, das nach dem Kindchenschema und mit runden Plastikscheiben als Augen gestaltet wurde, kann für diverse Zwecke programmiert werden.

KI sind schneller beim Austeilen von Karten und zuverlässiger als menschliche Croupiers, bei denen es schon mal zu einer aus Versehen aufgedeckten Karte kommt. Mins Schöpfer setzten darauf, dass auch im Land-Casino außerdem die Hemmschwelle geringer ist, sich gegenüber einem künstlichen Croupier als Anfänger zu outen. Es ist daher durchaus denkbar, dass in absehbarer Zukunft künstlich intelligente Roboter auch in realen Casinos sowie in Live-Casinos zum Einsatz kommen.

Roboter hinter der Bar

Aber es gibt noch ganz andere Einsatzbereiche, in denen Roboter sich im Dienstleistungssektor verdient machen. Im vergangenen Jahr mixten und servierten zum ersten Mal Roboter im „Tipsy Robot“ auf dem Las Vegas Strip Getränke. Die Getränkekarte der Bar umfasste acht klassische Drinks und 18 Neuschöpfungen, die allerdings allesamt auch vom Gast variiert werden konnten. Die in Deutschland entwickelten Roboter sollen pro Drink 60 bis 90 Sekunden brauchen und sich selbst zwischen jedem Auftrag mit Dampf reinigen.

Roboter als Pflegehelfer

Als Helfer für Behinderte könnten Roboter sich als unverzichtbare Erleichterung erweisen. Das Institut für künstliche Intelligenz hat speziell dafür einen Assistenzroboter namens Marvin entwickelt. Marvin reagiert auf mündliche Anweisungen und kann Getränke oder Essen aus dem Kühlschrank holen, heruntergefallene Dinge aufheben oder etwas aus dem Regal nehmen.

Für Patienten, die auf regelmäßige Besuche von Pflegern angewiesen sind, würde Marvin ein Stück Freiheit und Unabhängigkeit bedeuten, und längerfristig würde sich durch den Wegfall bezahlter Pflegestunden die Anschaffung auch für die Kassen amortisieren.

Kosten und Ethik

Nur sieben Prozent aller Deutschen machen sich Sorgen, ihren Job an einen Roboter zu verlieren. In Großbritannien sind es 13 Prozent und in Frankreich gar 17 Prozent. Je besser die Ausbildung ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, nicht so einfach ersetzt werden zu können, selbst wenn sich das Tätigkeitsfeld ändern würde. Nur weil etwas machbar ist, heißt es nicht, dass es auch gemacht werden muss.

Gerade in der Automatisierung spielen die Kosten eine entscheidende Rolle. In der Transportlogistik oder im Lager sind die meisten Schritte besser und zuverlässiger von einer Maschine zu erledigen, aber wirtschaftlicher ist das derzeit in den meisten Fällen nicht. Ein teurer Roboter hat keinen Sinn, wenn der menschliche Arbeiter zum Geringverdienst antritt.

Ethik ist ebenfalls ein wichtiger Gesichtspunkt. Die EU-Kommission plant eine Charta für KI-Ethik, die ab Anfang 2019 entwickelt werden soll. Schließlich möchte sich niemand plötzlich in der Wirklichkeit einem Terminator gegenübersehen.

Autor: Stefanie
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